Liane Bölicke

Ein Artikel von:
Liane Bölicke
UX-Design
interact@uandi.com

Erdbeerbowle zu Silvester klingt bei der Planung nach einer tollen Idee, doch am 1.1. steht sie häufig 3/4 voll in der Küche – und der Teil, der fehlt, sorgt noch immer für Kopfschmerzen. So ähnlich geht es uns mit den Trendsammlungen für 2018: Sie klingen zunächst vielversprechend, enthalten dann aber meist wenig Außergewöhnliches und hinterlassen eher einen faden Nachgeschmack.

Eher Standards als Überraschungen

Wie jedes Jahr sprießen jetzt wieder die Zusammenstellungen von Trends für das Jahr 2018 aus dem Boden. Und wie schon die Jahre zuvor ist auch im User Experience (UX) Bereich wenig Neues und Überraschendes dabei. Im Gegenteil: Viele Trends sind Standards, die bereits fester Bestandteil unserer täglichen Projektarbeit sind. Dazu gehören neben Full-Screen Videos und Microinteractions beispielsweise auch Maßnahmen zur Barrierefreiheit. Auf der anderen Seite werden revolutionäre Entwicklungen aufgezählt. Die sind zwar sehr spannend, aber in der Realität noch selten zu verwirklichen. Virtual Reality, Biometric Authentification oder Synesthetic Feedback spielen selbst bei vielen unserer international agierenden Kunden, die teilweise sogar Marktführer in ihrem Segment sind, für neue Webseiten oder digitalen Anwendungen keine Rolle.

Was die Welt wirklich bewegt

Daher stellen wir uns zwei Fragen: Was tragen wir mit ins neue Jahr? Und was wird uns und unsere Kunden im Bereich UX bewegen? Die Erfahrung zeigt, dass es einige Strömungen gibt, die langfristig Bestand haben. In den vergangenen Jahren haben wir viele individuelle Lösungen für Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen gefunden. Trotz der unterschiedlichen Ergebnisse haben wir ähnliche Herausforderungen beobachtet und nehmen folgende 8 Learnings mit ins Jahr 2018:

1. Siegeszug der Nutzersicht

Die wohl wichtigste Entwicklung: Die nutzerzentrierte Sichtweise hält in immer mehr Unternehmen Einzug und wird fester Bestandteil ihrer Ausrichtung und Philosophie. Weil es oft noch bei der Umsetzung hakt und Skeptiker erst überzeugt werden müssen, beraten wir, liefern die wichtigen Argumente und helfen dabei, die Denkrichtung im Unternehmen zu etablieren.

2. Design-Thinking ist ein zartes Pflänzchen

Methoden des Design-Thinking werden vermehrt in Unternehmen genutzt, um neue Ideen und Lösungen aus Anwendersicht zu entwickeln. Meistens braucht das Pflänzchen jedoch Wachstumshilfe. An diesem Punkt steigen wir ein: Wir beraten und entwickeln die ersten Ideen, die im Unternehmen entstehen, bis zum Roll-Out weiter. Auf diesem Weg unterstützen wir z. B. dabei, Alltagsgegenstände und den stationären Handel zu digitalisieren und damit zu personalisieren.

3. Customer Journey im Fokus

Die Betrachtung der gesamten Customer Journey rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Dabei dient sie nicht nur als Möglichkeit Erkenntnisse über Zielgruppen und Prozesse zu gewinnen. Sie wird bei Entscheidungen herangezogen, damit Maßnahmen stets Hand und Fuß haben und von Verantwortlichen verstanden werden.

4. User-Testing schafft Tatsachen

Wohl jeder Konzepter hat schon mehr als einmal die Aussage gehört: Wir kennen unsere Kunden am besten. Und damit sind ihm häufig die Hände gebunden. Umso erfreulicher ist es, dass mittlerweile Nutzertests, die z. B. die Usability eines Produkts auf den Prüfstand stellen, häufig fester Projektbestandteil sind. Die Ergebnisse bilden ab, wie die Kunden wirklich ticken und schaffen Sicherheit auf Seiten der Entscheider.

5. Service statt Information

Man kann es auf unterschiedlichen Ebenen beobachten: Webseiten wandeln sich vom Informationsmedium zur Serviceplattform. Das erwarten die Nutzer – und gerade Unternehmen im B2B Geschäft können das für sich nutzen. Der Einsatz von z. B. After-Sales-Services und Onlinekatalogen mit abgestimmten Produktdetails, ermöglicht es B2C-Interaktionen auf ihre Geschäftsmodelle anzuwenden. Auf diese Weise können Bestandskunden gebunden und Neukunden gewonnen werden.

6. Individualisierung von Form und Inhalt

Es gehört längst zum Standard, dass Nutzer über sämtliche Geräte auf Webseiten zugreifen können. Und auch die Barrierefreiheit ist häufig bereits fest in Konzept und Design verankert. Es gibt jedoch noch weitere Entwicklungen, die dafür sorgen, dass sich der Inhalt mehr und mehr den Nutzern anpasst statt umgekehrt. Die zunehmende Internationalisierung von Unternehmen erfordert beispielsweise den Zugriff auf Inhalte in verschiedenen Sprachen. Und im Rahmen der Leadgenerierung werden einzelnen Nutzern individuelle Inhalte ausgespielt. Dadurch wird der Begriff der „Responsivität“, von der reinen Anpassbarkeit an die Bildschirmgröße, ausgeweitet: auf die Sprache, körperliche und kognitive Fähigkeiten sowie das individuelle Nutzungsverhalten.

7. Neue Navigationsformen

Es hat sich gezeigt: Hamburger-Navigationen oder Megamenüs sehen zwar gut aus, werden aber häufig den Anforderungen von komplexen Webseiten nicht gerecht. Als Konsequenz müssen neue Lösungen her. Weil die Anforderungen und Nutzergruppen häufig sehr unterschiedlich sind, gibt es darauf nicht eine Antwort: Für jeden Fall muss stets ein individueller Ansatz gewählt werden.

8. Innovation durch Upcycling

Dank Design-Systemen und Pattern-Libraries gibt es für die meisten Anforderungen bereits viele erprobte Lösungen, die auch die Nutzer kennen. Dadurch ist es weder erforderlich noch empfehlenswert das Rad stets neu zu erfinden. Wiederholen sich dieselben Elemente jedoch, leiden das persönliche Design und die Nutzerorientierung. Daher ist es wichtig, Standards an spezielle Nutzeranforderungen und die Zielsetzungen der Anwendungen anzupassen und so individuelle Lösungen zu schaffen.

Fazit: Mit Kundenorientierung zur Innovation

Statt blind einem Trend hinterherzulaufen, setzen wir auf unsere Erfahrungen und unser Wissen, um zukunftsträchtige digitale Anwendung zu entwickeln. Zukunftsorientiertes Arbeiten bedeutet für uns, neugierig und mutig zu bleiben und neue Entwicklungen zu erproben. Nicht, weil es technisch geht, sondern immer dann, wenn wir davon überzeugt sind: genau das bringt unsere Kunden und deren Kunden voran.

Sie suchen nach einer Lösung für das perfekte Nutzererlebnis oder wollen Ihr Unternehmen für die Zukunft fit machen? Rufen Sie uns an!

Über die Autorin

Liane Bölicke arbeitet seit 2015 bei u+i interact. Als UX-Designerin entwickelt sie Konzepte für perfekte Nutzererlebnisse. Mit ihrem Studium zur Kognitions- und Medienwissenschaftlerin hat Liane zuvor drei Jahre bei einer Digitalagentur in Köln gearbeitet. Mit ihrem Wissen in Bereichen der Psychologie und Informatik sowie der Erfahrung im Agenturleben, hat sie unter anderem Konzepte für die Bertelsmann Stiftung, Stiftung Mercator, Loewe und Beckhoff entwickelt.

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