Heiko Dreyer

Ein Artikel von:
Heiko Dreyer
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Die Namensgebung ist in der Nautik verhaftet: Beacon – der englische Begriff für Leuchtfeuer – bezeichnet einen Signalgeber, der Schiffen anhand von Licht- oder Funksignalen die Navigation in der Dunkelheit oder bei schwerer Sicht ermöglicht. Das Bild funktioniert allerdings nur bedingt. Während das Leuchtfeuer als ortsfester Punkt der Schifffahrt Orientierung bietet, können bei der iBeacon Technologie Signalgeber und Empfänger auf unterschiedliche Weise profitieren. Umso interessanter, wie Apple mit diesem Thema kommunikativ umgeht.

Im Juni 2013 präsentierte der Technologie-Konzern auf der jährlichen Entwickler-Konferenz WWDC (1) eine neue Version seines mobilen Betriebssystems iOS. Neben einer komplett überarbeiteten Benutzeroberfläche führte Apple mit iOS7 auch etliche neue Hard- und Softwareschnittstellen ein. Obwohl während der Präsentation nur still und leise erwähnt, könnte die iBeacon Technologie viele Bereiche der mobilen Welt erweitern – vielleicht sogar revolutionieren.

Was ist iBeacon?

Weder auf Marketingmaterial noch auf diversen Präsentationen, wirbt Apple offensiv mit der neuen Technologie. Dieses kann daran liegen, dass eine einfache, werbewirksame und schlagwortartige Darstellung der Funktion und dessen Nutzungskontext eher schwierig ist.
iBeacon ist im Grunde eine Technologie zur exakten Raumortung bzw. Abstandsmessung einzelner Endgeräte innerhalb eines definierten Radius. Dies funktioniert bei beträchtlicher Entfernung und ist darüber hinaus noch äußerst energieeffizient.

Innerhalb des Funkradius eines iBeacon-Senders werden alle aktiven Geräte erfasst. Darüber hinaus können sich alle Nutzer innerhalb des Radius untereinander vernetzen und Daten wie z.B. Nachrichten oder andere Informationen austauschen. Die Berechnung der Entfernung zueinander erfolgt automatisch. Die Information über die angemeldeten Geräte wird vom Sende-Beacon übernommen.

Bluetooth LE als technisches Fundament

Die Grundlage von iBeacon ist der aktuelle Funkstandard Bluetooth 4.0 LE (2), kurz BLE (Bluetooth Low Energy) (3). Dieser vereint eine hohe Reichweite von bis zu 10m bei gleichzeitig geringem Energieverbrauch und erzielt dennoch eine hohe Übertragungsrate. Es ist demnach möglich, Endgeräte bzw. Beacons mit geringer Stromaufnahme in einem definierten Umkreis zu platzieren und so ein Netz von standortabhängigen Sensoren aufzubauen.

Der Abstand zwischen einem Endgerät, wie z.B. einem Smartphone, und einem oder mehreren Beacons kann nun metergenau bestimmt werden. Als Beacon kann jedes Bluetooth-Gerät eingesetzt werden, das den Standard unterstützt. Auf Hardwareebene gibt es keinen Unterschied zwischen „Sender“ und „Empfänger“, lediglich die Software gibt vor welches Gerät virtuell ein Leuchtfeuer sendet und welches nur „lauscht“.

NFC bekommt Konkurrenz

Bisher galt Apples Verzicht einer Integration von NFC als größter Angriffspunkt für Kritiker. Lässt Apple den Mobile-Payment-Zug etwa an sich vorbeirauschen? Die Frage wird seitens Apple mit dem strikten Einsatz von Bluetooth 4.0 LE und der Einführung entsprechender Entwickler-Schnittstellen unter dem Namen iBeacon beantwortet. Denn diese Technologie ist durchaus in der Lage auch im Payment-Bereich in Zukunft eine große Rolle zu spielen. PayPal setzt bereits heute mit dem sogenannten PayPal-Beacon auf eben diesen Standard (4) – andere werden mit Sicherheit folgen.

iPhone iBeacon

u+iBeacon

Zum Ausprobieren der Technologie und der genauen Möglichkeiten testen wir bei u+i gerade ein einfaches Szenario, in dem die Kaffeemaschine in unserer Küche mit einem Beacon versehen und als eigener Standort definiert ist. Betritt ein Mitarbeiter mit der vorgesehenen Smartphone-App morgens erstmalig die Küche, wird er gefragt, ob er nicht einen Kaffee trinken möchte. Je nach Zeitpunkt des Betretens wird der Nutzer aber auch gefragt: „Wie wär's mit einem Feierabendbier?“ Man spricht hier von lokativ-temporalen oder ort-zeitlich gebundenen Ereignissen.

Dieses simple Szenario lässt sich vielfach auf andere Use-Cases und Nutzungskontexte übertragen und dort entsprechend anpassen und komplexer gestalten. Entscheidend sind die verschiedenen Möglichkeiten zur Benachrichtigung und das Antizipieren der jeweiligen Nutzerbedürfnisse in dessen Kontext der Nutzung. Man spricht hierbei von Context-Modeling. Wir werden in den kommenden Wochen weitere Szenarien testen, um die Handhabung auch im Detail zu hinterfragen.

Mögliche Einsatzszenarien

Geolocation & Mobile Marketing

Neben dem klassischen Mobile Payment (5) lässt sich die neue Bluetooth Technologie also sinnvoll im Bereich Lokalisierung einsetzen. Die Genauigkeit, mit der auf kurzer Entfernung Abstände gemessen werden, begünstigt eine Vielzahl möglicher Szenarien. Schlagworte sind in diesem Bereich unter anderem Mobile Marketing und Indoor Maps. So könnten beispielsweise ganze Bürokomplexe kartographiert werden. Die entsprechende App bringt den Benutzer punktgenau an das gewünschte Ziel oder zum gewünschten Gesprächspartner.

In den Vereinigten Staaten ist man bereits weiter als in Deutschland. In einigen Baseball-Stadien zum Beispiel sind Beacons längst im Testeinsatz (6). Der Benutzer ist mit der hierfür erstellten Smartphone-Anwendung problemlos in der Lage an seinen Platz zu navigieren. Nebenbei bekommt er an besonderen Orten noch eine Reihe von werbewirksamen Vergünstigungen in Form von Coupons & Specials.

'Internet of Things'

Die Idee, dass Gegenstände auch virtuell eindeutig identifizierbar sind, ist nicht neu. Seit Jahren werden hierfür vor allem in der Industrie Bar-Codes, QR-Codes oder RFID- und NFC-Chips verwendet. Die Nutzung von Beacons könnte diese Liste vor allem für den Verbraucher erweitern.
Die wesentlichen Vorteile der neuen Technologie liegen dabei auf der Hand: Viele bestehende Geräte sind bereits mit Bluetooth 4.0 ausgestattet. Demnach haben bereits etliche Benutzer einen potentiellen Sender/Empfänger im Wohnzimmer oder in der Hosentasche. Die aktive Nutzung hängt nur noch von der Aktivierung durch die Software ab.

Neue Ideen für klassische Bereiche

Die Möglichkeit einen Teilnehmer punktgenau zu orten begünstigt die Umsetzung einer Vielzahl neuer, frischer Ideen.

  • So könnte man zum Beispiel einen Museums-Guide konzipieren, welcher seine Informationen permanent dem aktuellen Standort des Nutzers anpasst. Ein Besucher wäre nicht mehr auf Personal oder umständliche Eingaben mit Telefontasten angewiesen, sondern könnte sich frei bewegen und dabei stets mit den aktuellen Informationen versorgt werden.

  • Denkbar ist auch ein Einsatz im logistischen Bereich. So könnten beispielsweise Lagerhallen mit Beacons ausgestattet werden, um präzisen Warenaustausch abzuwickeln.

  • Auch der Einzelhandel und öffentliche Einrichtungen, um nur zwei weitere Bereiche zu nennen, können vom intelligenten Einsatz der neuen Technologie profitieren.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Aktivitäten von PayPal zeigen unter anderem, dass BLE bereits jetzt viel Zuspruch aus Industrie und Handel erfährt. In Zukunft könnte sich dieser positive Trend fortsetzen. Besonders unterstützend wirken hierbei die niedrigen Preise und die wachsende Verfügbarkeit von Beacons. Die Geräte sind teilweise so klein wie ein Einkaufswagen-Chip, passen in jede Umgebung und laufen per Knopfbatterie bis zu 2 Jahre lang. Geräte mit höherer Reichweite und direktem Anschluss an das Internet sind maximal vom Format einer Visitenkarte. Die Preise variieren dann pro Einheit zwischen 29$ und 99$.

Durch APIs und Toolkits können entsprechende Lösungen im Bereich Payment, Lokalisierung oder Marketing plattformübergreifend umgesetzt werden. Durch innovative Apps können erstaunliche neue Nutzungsszenarien für Kunden, Dienstleister und Unternehmen entstehen.

Wenn Sie Fragen oder Ideen zu den Einsatzmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen haben, arbeiten wir gerne mit Ihnen an der Verwirklichung.


Glossar

API (Application Programming Interface) - Programmierschnittstelle Beacon - Leuchtfeuer

NFC (Near Field Communication) - Nahfeldkommunikation

RFID (Radio-Frequency Identification) - Technologie zur Identifizierung mittels elektromagnetischer Wellen

QR-Codes (Quick Response Code) - Zweidimensionaler, oft gedruckter Code.

Quellen

(1) https://developer.apple.com/wwdc/

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Bluetooth#Aktueller_Standard:_Bluetooth_4.0

(3) http://www.bluetooth.com/Pages/Low-Energy.aspx

(4) http://www.zdnet.com/paypal-beacon-promises-hands-free-mobile- payments-via-bluetooth-le-7000020437/

(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Mobile-Payment

(6) http://www.zdnet.com/ibeacons-coming-soon-to-a-baseball-stadium-near-you-7000021354/

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